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Plasbergs Produktionsfirma: Wenn Journalismus auf Elitenwirklichkeit trifft

Plasberg Bambi

Bildquelle: Foto, CC BY-NC-ND 2.0, by Bambi 2009

Wie die Bild am Sonntag am Wochenende berichtete, habe ein Mitarbeiter der Produktionsfirma von Moderator Frank Plasberg ein Einladungsschreiben für eine Veranstaltung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit der “Hart aber fair”-Marke unterzeichnet. In der Folge war von “Lobbyismus-Vorwürfen” und “unlauterer PR” die Rede, Plasbergs Glaubwürdigkeit wurde in Frage gestellt. Frank Plasberg hat sich heute erstmals zu den Vorwürfen geäußert. In einem Interview mit dem Medienmagazin DWDL sagte Plasberg:

“Wir haben uns einen dicken Schnitzer erlaubt, der uns mächtig auf die Füße gefallen ist. Und dafür müssen wir nun gerade stehen. Die falsche Signatur unter Einladungsschreiben für den Versicherungstag hat den Eindruck erweckt, wir würden in unserer Firma nicht klar trennen: Zwischen der redaktionellen Arbeit für „hart aber fair“ auf der einen Seite und dem Auftrag, eine journalistisch aufbereitete Diskussionsrunde für den GDV zu produzieren auf der anderen Seite. Das darf nicht passieren. Nun überlagern dieser Fehler und die Berichterstattung darüber die gesamte Veranstaltung. Und: Dieser Fehler kann auch die Reputation von „hart aber fair“ beschädigen. Beides wollen wir nicht – daher haben wir uns mit dem GDV darauf verständigt, die Zusammenarbeit nicht weiter fortzuführen.”

So geht professionelles Krisenmanagement: Plasberg zeigt sich einsichtig, er schützt und verteidigt den journalistischen Ethos der Integrität, beendet die Zusammenarbeit mit dem GDV und will künftig keine privaten Aufträge mehr annehmen. Wahrscheinlich ist die Sache damit erledigt; sie taugt nicht zum Skandal, auch weil Plasberg nicht direkt an dem “Fehler” beteiligt war. Vielleicht wird er nach der Sommerpause als Moderator eine kurze Zeit unter Beobachtung stehen, bis die Öffentlichkeit die Sache schließlich ganz vergessen hat.

Aber lässt sich wirklich zwischen der Produktionsfirma “Ansager & Schnipselmann” und dem von ihr produzierten Format “Hart aber fair” trennen, wie Plasberg suggeriert und die meisten Beobachter zu meinen scheinen? Weil die beteiligten Personen identisch sind, handelt es sich doch eher um Augenwischerei: Der Mitarbeiter bei A&S, der für den Fehler verantwortlich zeichnete, ist Chef vom Dienst bei “Hart aber fair”, Plasberg ist Inhaber und Moderator. Es scheint hier also eher um rechtliche Feinheiten zu gehen, weil der WDR die Rechte an “Hart aber fair” hält.

Es sind so vor allem zwei Dinge, die durch den Fall um Plasbergs Produktionsfirma diskutiert werden müssten, weil sie weit über die Person Plasberg hinausweisen und wohl als exemplarisch für eine Branche anzusehen sind, die sich selbst gerne als “Vierte Gewalt” bezeichnet:

1. Wie wollen Journalisten glaubwürdig über Nebeneinkünfte von Politikern berichten oder diskutieren? Das Problem ist dabei weniger, dass sie selber Nebeneinkünfte durch Moderationstätigkeiten haben; wenn sie aber Politikern die Möglichkeit zu Nebeneinkünften absprechen oder diese zumindest mit in die Nähe der Korrumpierbarkeit stellen, müssten sie den moralischen Zeigefinger auch auf sich selbst richten. Die mediale Kampagne gegen den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück jedenfalls wirkt nach dem Fall Plasberg noch viel unangemessener als sie ohnehin war. Und es macht selbstverständlich durchaus einen Unterschied, welche Aufträge man annimmt und welche nicht. Denn auch wenn Plasberg gegenüber DWDL sagte,

“Der Versicherungstag ist keine Hinterzimmerveranstaltung. Da sitzen 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft, Kirche usw.. Im letzten Jahr waren dort Angela Merkel, Alt-Bischof Wolfgang Huber und DGB-Chef Reiner Hoffmann zu Gast. Auch viele Journalisten sitzen da, die über das, was da auf offener Bühne passiert, berichten können wie sie wollen.”

kann hier doch – in Anlehnung an Plasbergs Motto – gelten: Wenn Journalismus auf Elitenwirklichkeit trifft.

2. Warum gründen und besitzen Fernsehjournalisten überhaupt eigene Produktionsfirmen? Plasberg ist mit “Ansager & Schnipselmann” kein Einzelfall unter Deutschlands Alpha-Talkern: Anne Wills gleichnamiger Polit-Talk wird von ihrer Produktionsfirma “Will Media”, Günter Jauchs Talk von seiner Firma “i&u TV” und “Menschen bei Maischberger” wird von Maischbergers Firma “Vincent Television GmbH” produziert. Die Liste ließe sich wahrscheinlich fortsetzen. Es mag sein, dass es vielleicht sogar gute Gründe für diese Strukturen gibt. Als Inhaber einer Produktionsfirma aber sind Journalisten nicht mehr nur neutrale Journalisten, sondern auch Unternehmer, die ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Das wäre tatsächlich einer größeren Diskussion würdig. Es ist zu bezweifeln, dass die Talkmaster in ihren Sendungen diese Rollen bei aller Professionalität stets voneinander trennen können. Womöglich bestimmt auch hier das Sein das Bewusstsein.

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