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Frei, denkend, radikal – Warum “Elser” ein sehenswerter Film ist

Bundesarchiv_Bild_183-E12329,_München,_Bürgerbräukeller,_Sprengstoffanschlag

Am 9. April war Kinostart von Oliver Hirschbiegels Film “Elser – Er hätte die Welt verändert” über den gleichnamigen Widerstandskämpfer, dessen Bombe Hitler um 13 Minuten verfehlte. Eine Rezension.

Der Film setzt ein mit Einbau und Explosion der Bombe im Münchner Bürgerbräukeller, wo am 8. November 1939 die gesamte Naziprominenz versammelt war. In den folgenden eineinhalb Stunden dann wechseln die Szenen zwischen Verhör und zahlreichen Rückblenden, welche helfen sollen, Elsers Motivation und Entscheidung zum Attentat zu erklären. Das gelingt dem Film gut. Der Vergleich zum Heimatfilm, der in manchen Besprechungen und wohl auch vom Regisseur Hirschbiegel selbst für die Rückblenden bemüht wurde, mag zwar berechtigt sein – kitschig wird der Film dadurch selten.

In den gezeigten unbeschwerten wie beschwerlichen Momenten vor Elsers Entschluss, gegen das Nazi-Regime aktiv zu handeln, wird vielmehr die Person Georg Elser als hedonistischer, linkssympathisierender Freigeist vorgestellt. Erkennbar wird ein denkender Mensch mit Haltung, der beweist, dass es auch in dieser Zeit durchaus möglich war, sich eine solche zu bewahren. Ein doppelter Kontrast: nicht nur steht Elsers verkörperte Lebenslust der Lebensfeindlichkeit der Nazis gegenüber, in Elser zeigt sich auch wahre Individualität: einerseits gegenüber den autoritären Charakteren der Nationalsozialisten, andererseits gegenüber den schwachen, korrumpierbaren Charakteren in der Dorf(volks)gemeinschaft Königsbrunns.

Fast beiläufig, dafür intensiv dargestellt wird am Schluss des Films, wie Reichskriminalamtschef Arthur Nebe (überzeugend: Burghart Klaußner) in Plötzensee gehängt wird, weil er zum Kreis der 20. Juli-Attentäter gehörte. Kurz darauf wird dann auch Elser im KZ Dachau hingerichtet. Vielleicht liegt in dieser Gegenüberstellung der stärkste Augenblick des Films: Nebe, der Nazi, der Elser verhört hatte, opportunistisch vielleicht, aber nichtsdestoweniger barbarischer Massenmörder, entscheidet sich, wie überhaupt die meisten Attentäter vom 20. Juli 1944, zum Widerstand erst als und wohl weil die Niederlage Nazideutschlands längst feststand. Elser dagegen sieht schon 1938 den Krieg und die Folgen heraufziehen, er sieht, was die Nazis und die Volksgemeinschaft im Dorf und mit den Menschen anrichten und handelt – allein, radikal, entschlossen und präzise (für das Wetter kann er nichts).

“Elser” ist ein gelungener Film über einen Widerstandskämpfer, dem bis heute nicht die breite Erinnerung zuteilwird, die ihm gebührt. Auch wenn zu diskutieren wäre, inwieweit der Film tatsächlich ein reales Bild des Protagonisten zeichnet, kann schließlich gelten: In Georg Elser lebte nicht das “heilige Deutschland”, sondern die Vorstellung einer freien, menschlicheren Gesellschaft.

Weitere Besprechungen zu “Elser” gibt es hier, hier und hier.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-E12329 BY-SA 3.0 DE

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